“Es braucht ein breites Medienangebot” – Ralf Deifel (BBV-Mitgliederforum 2017 ; 5)

München HauptbahnhofAn Ralf Deifel (Bayerische Staatsbibliothek, Leiter der Landesfachstelle) wurde vom Moderator der Podiumdiskussion¹, Bernd Sibler, die Frage gestellt, ob an die Fachstellen [in München, Nürnberg, Würzburg und Regensburg]² heute mehr Fragen zu digitalisiertem Wissen gerichtet würden.

Antwort Deifel:

Die an uns gerichteten Fragen sind außerordentlich vielgestaltig.

So weisen Dorf wie Großstadt unterschiedliche Ressourcen auf. Allen gemeinsam ist, dass die Gesellschaft multimedial geworden und somit ein Medienmix zu gestalten ist. Bibliotheken müssen interessant und vielfältig sein. Informationen erneuern sich in immer kürzeren Zeitabständen. Bibliotheken bestärken die Informationssuchenden.

In Bibliotheken werden viele Pilotprojekte gestartet. Beispielsweise werden Kreativecken eingerichtet, was bei den heterogenen Jugendlichen gut ankommt. Ich in der Meinung, das passendere Wort ist Kreativwerkstatt statt Makerspace. [Kennzeichen ist], hier wird etwas gemeinsam gemacht. Welche Bibliothek nicht mit der Zeit geht, die geht mit der Zeit.

Die Hybride Bibliothek ist [noch] Vision oder [schon] Tatsache.

Es braucht ein breites Medienangebot, sowohl in Print, Audio, Digital, E-Medien …, abgestimmt auf die Zielgruppen unter Berücksichtigung der Wirklichkeit der Bibliotheken, die der Träger zu gestalten hat.

Podiumsdiskussion zum Bayerischen Bibliothekstag / Mitgliederforum 2017. v.l.: Josef Kraus, Bernd Sibler, Cornelia Wraba, Ralph Deifel, Doris Schneider
Podiumsdiskussion zum Bayerischen Bibliothekstag / Mitgliederforum 2017.
v.l.: Josef Kraus, Bernd Sibler, Cornelia Wraba, Ralph Deifel, Doris Schneider

Zwischenfrage von Doris Schneider: Gibt es eine gewissen Sättigung, oder wächst das noch?

Im Sommersemester wurde [in der TU Ingolstadt] im [Studium Internationales] Handelsmanagement Raumuntersuchungen vorgenommen. Wie funktioniert der Supermarkt, was tun die Kunden in welchen Ecken? Im Rahmen eines Studentenprojekts wurde auch bei uns [in der Bibliothek] untersucht, was tun die Kunden in unseren Räumen? Dazu muss man wissen: Wir sind komplett digital, wir haben [jeweils am Tisch] 2-3 Steckdosen, und obwohl wir alles online anbieten bei einer Rund-um-die-Uhr-Öffnung, ist der Raum etwas unglaublich Wichtiges.

Sie [die Studierenden] wollen in die Bibliothek, nicht Mensa, nicht Seminarraum! Obwohl wir alles anbieten und nur sehr wenig Bücher ausleihen, ist der Raum als Lernort, Arbeits- und Kommunikationsort etwas unglaublich Wichtiges, zusammen mit ihren Tablets und Handys.

Gegenthese [von ?]: Wie können wir die bildungsfernen Schichten erreichen, um die Differenzen zur Digitalisierung aufzuheben?

Darauf Cornelia Wabra: Es gäbe verschiedene Hebel, wo man ansetzen kann. Was Herr Stang [siehe Beitrag] gesagt hat, stimmt. Die einen haben die Zugänge, die anderen nicht.

Wenn wir Wege gehen, die Angebote sehr nah an die Leute zu bringen, die ohnehin zum Beispiel Supermärkte besuchen, wo die Leute also eh da sind, dann nutzen sie auch die dort verorteten Büchereien. Seither haben wir einen enormen Zuwachs an Ausleihen. Da hat es die VHS nicht ganz so einfach. Sie ist institutionalisierter. Es kommt auf die Räume an. Die Leute müssen präsent sein, es müssen Ansprechpartner da sein, und am besten ein fließender Übergang von (Zu)Gang und Zimmer.

Der zweite Weg ist, zu den Leuten hinzugehen, Beratungen anzubieten. Angebote könnten ausgelagert werden, sie müssen nicht bei uns zu bleiben, beispielsweise in die Stadtteilzentren, Mehrgenerationenhäuser, zu Multiplikatoreneinrichtungen. Ja, das ist personalintensiv, ich weiß. Wir [die Bibliothek] sind von der Qualifikation her nicht vorbereitet für kleine Beratungen. Trotzdem weiß ich, dass das die Zukunft ist.

Deifel:
Bibliotheken sind eine wichtige Anlaufstation. Es gibt Gemeinsamkeiten und ganz klar auch Unterschiede [zur VHS] beim individuellen Lernen und gemeinsamen Lernen. Bibliotheken können hier eine Ergänzung sein. Zum Beispiel beim Italienischsprachkurs. Reicht das Lernbuch nicht aus, haben wir weitere in der Bibliothek, wenn’s sein muss, auch noch nach Mitternacht. Beides sind Einrichtungen der Bildung. Wichtig ist, dass man nicht nur eine Kooperationsvereinbarung abschließt, sondern diese auch lebt.

Seit der Kooperationsvereinbarung [Bibliotheken und Volkshochschulen der Städte Bayreuth, Nürnberg und Regensburg] haben sich [Anmeldungen und Nutzungen?] deutlich erhöht. [Verweis auf Praxisworkshops in Regensburg]. Auf der Seite „Treffpunkt Bildung“ finden Sie Materialien, die zur Nachahmung einladen.

In der nächsten Blogfolge kommen die Zuhörenden mit ihren Fragen zu Wort. Bleiben Sie dran.

Vorangegangene Blogfolgen zur Podiumsdiskussion:

¹ Bayerischer Bibliothekstag (Mitgliederforum) am 26.10.2017 in Donauwörth

² [In eckigen Klammern sind zum besseren Verständnis Ergänzungen von der Blogautorin gesetzt]

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